AUS DEN AUGEN, AUS DEM SINN - 
DEUTSCHER ATOMMÜLL IN RUSSLAND
Recherche-Blog
von Olga Kapustina und Laura Döing

Im Februar 2013 lesen wir einen Zeitungsartikel, dessen Inhalt uns ein Jahr nicht loslassen wird: „Krasnojarsk statt Gorleben“. Der SZ-Artikel beschreibt Pläne, nach denen die EnBW deutschen Atommüll in Russland entsorgen wollte. Der Zufall will, dass wir ein paar Tage danach eine russische Umweltaktivistin treffen. Sie ist nach Deutschland gekommen, um zu berichten, wie in ihrer sibirischen Heimat deutsches abgereichertes Uran gelagert wird.

Das macht uns neugierig: Wir wollen herausfinden, was dran ist an den russisch-deutschen Atommüll-Geschäften und machen uns auf die Suche. Wir recherchieren in Deutschland und Russland - ein Jahr lang, führen rund 40 Interviews, legen rund 17.000 Kilometer zurück.


Unsere dreiwöchige Russlandrecherche hat uns von Sankt Petersburg über Moskau nach Sibirien geführt. Bis an die Tore der geschlossenen Stadt Schelesnogorsk … 


Unsere Recherchen führten uns auch an die Ufer des tiefsten Sees der Welt, den Baikalsee.


Wir lernten mutige Aktivisten kennen, die sich gegen den Ausbau der Kernkraft in ihrem Land wehren. 

 

Swetlana Slobina ist Journalistin der unabhängigen Zeitung Wremja und eine der wenigen Umweltschützer im sibirischen Angarsk. Mehrmals kam sie bereits nach Deutschland, um hier über die Urananreicherungsanlage in ihrer Heimat zu berichten. Sie will erreichen, dass das dortige Urankombinat transparent arbeitet. Auswandern kommt für sie nicht in Frage: "Hier wohnen meine Eltern, hier habe ich einen tollen Job. Wir Bürger müssen uns mehr für unsere Stadt engagieren."

 

In Angarsk erkranken Menschen anderthalb Mal so häufig an Krebs wie durchschnittlich in Russland. Natalia Titowa glaubt, dass das mit der Urananreicherung in Angarsk zutun hat. Sie hat drei Familienmitglieder durch Krebs verloren. Als ihre Mutter vor vier Jahren im Sterben lag, versprach sie ihr, einen Ort für Krebskranke in Angarsk zu schaffen. Seitdem kümmert sich um die Suche nach Sponsoren und verhandelt mit Behörden. Inzwischen gibt es eine Abteilung in der Stadtklinik und ein Beratungszentrum für Angehörige krebskranker Menschen. 

Atom-Experte Wladimir Tschuprow von Greenpeace Moskau ist einer der besten Kenner der russischen Atomindustrie. Er analysierte den Deal zwischen der russischen Firma Tenex (Rosatom) und dem deutschen Unternehmen Urenco. Die Gronauer Firma lieferte bis 2009 abgereichertes Uranhexafluorid nach Russland.
Udo Buchholz ist in Gronau in Westfalen geboren. Er engagiert sich gegen die dortige Urananreicherungsanlage der Firma Urenco, die im Hintergrund zu sehen ist: "Die Urananreicherungsanlage liegt am Stadtrand von Gronau, aber ihr Betrieb und die zahlreichen Urantransporte gefährden auch die Menschen in Gronaus Innenstadt und in den Wohngebieten."
Marina Richwanowa leitet seit 1992 die NGO Baikal Wave, die für das Ökosystem des tiefsten Sees der Welt, des Baikalsees, kämpft. Sie und ihre Kollegen setzten durch, dass das Zellstoff- und Papierkombinat am Baikalsee, das diesen jahrelang verschmutzte, geschlossen wurde. Richwanowa kämpft auch gegen die Lagerung von Uranhexaflourid im Angarsker Kombinat. Angarsk liegt 100 Kilometer vom Baikalsee entfernt. 
Oleg Bodrov und seine NGO Green World beobachten die Sankt Petersburger Atommüll-Firma Ecomet-S, seitdem es sie gibt. Sie ist Bodrovs ärgster Feind. Die Anlagen des Unternehmens, das bei seiner Gründung noch kein notwendiges Umweltzertifikat besaß, liegen in seinem Heimatort. Er wirft Ecomet-S vor, gegen Gesetze zu verstoßen. Einen Tag, bevor das Foto entstanden ist, klagte Ecomet-S wegen Rufschädigung und Verleumdung gegen ihn. Bodrov gewann.  
Greenpeace-Aktivist Raschid Alimow reiste im September 2013 zu einer Demonstration nach Duisburg, um auf die Situation in seiner Heimat Sankt Petersburg aufmerksam zu machen: In der Nähe der Stadt sind vier Reaktoren des Tschernobyler Typs am Netz, die bereits vor 10 Jahren hätten abgeschaltet werden müssen. Außerdem baut Rosatom ein neues AKW bei Sankt Petersburg, um Atomstrom in die EU zu exportieren. Alimow rief deutsche Aktivisten dazu auf, gemeinsam nicht nur gegen Atommüll-Transporte, sondern auch gegen die Atomstrom-Importe zu kämpfen. 
Fjodor Marjasow lebt in der geschlossenen Stadt Schelesnogorsk in Sibirien. Er kämpft gegen den Bau des Endlagers für hochradioaktiven Atommüll dort. Zunächst soll ein unterirdisches Labor errichtet werden, in dem geprüft wird, ob der Ort für die Endlagerung geeignet ist. Doch Marjasow glaubt, die Pläne für das Endlager stünden bereits fest. Gerichtsverfahren gegen die Atomindustrie haben Marjasow in den wirtschaftlichen Ruin getrieben und zum Außenseiter gemacht.
Der Stadtabgeordnete von Krasnojarsk, Alexander Gliskow, möchte den Bau des Endlagers für hochradioaktiven Müll in der geschlossenen Stadt Schelesnogorsk verhindern. Der 41-Jährige will im Stadtparlament durchsetzen, dass in Krasnojarsk eine öffentliche Anhörung über den Bau stattfindet. Das wäre nach dem Gesetz der Stadt möglich. Die Bürger haben Einfluss auf den Bau von gefährlichen Objekten in 60 Kilometern Umgebung. Der erste Versuch ist gescheitert. Gliskow glaubt aber, dass die nächste Abstimmung im Stadtrat erfolgreich verlaufen wird, weil bei den letzten Kommunalwahlen die Opposition gewonnen hat. Gliskow sagt: "Rosatom vergeudet einfach seine Zeit. Sie werden hier kein Endlager bauen können."
Nachdem der Chefredakteur der Zeitung, für die Nadeschda Popowa arbeitete, einen Vertrag mit Rosatom abgeschlossen hat, hat die Journalistin gekündigt. Laut dem Vertrag sollte Rosatom die Berichterstattung über Atomkraft bezahlen und die Inhalte mitbestimmen: Umgerechnet viertausend Euro für eine Seite - viel Geld für die Moskauer Zeitung. Popowa wollte unter solchen Bedingungen nicht arbeiten. Sie wollte unabhängig bleiben. "In Russland sind elf Reaktoren des Typs wie in Tschernobyl nach wie vor im Betrieb. Sie sollten längst abgeschaltet werden. Es ist eine Gefahr für den ganzen Planeten", sagt Popowa. Sie schreibt weiterhin kritisch über die Atomindustrie – in ihrem Blog und im russischsprachigen Magazin "Objektiv", das in Luxemburg erscheint. (Foto: Vkontakte) 
Herbert Würth ist seit fast zwanzig Jahren bei Protestmärschen gegen Kernkraft dabei. Auf dem Foto protestiert er gegen das Kernkraftwerk Neckarwestheim: Noch ist einer der beiden Reaktoren aktiv. Der andere wurde bereits abgeschaltet, bald wird er zurückgebaut. "Alle verbreiten das politische Märchen, dass es möglich wäre, hier einen raschen Rückbau zu machen und in zehn bis fünfzehn Jahren eine grüne Wiese in Neckarwestheim wäre, obwohl sie genau wissen, dass es praktisch nicht möglich ist, versuchen sie, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. So nicht!"

 

Außerdem besuchten wir die Atommüll-Fabrik Radon in der Nähe von Moskau.



Und wir waren im abgeschalteten AKW Obrigheim, das gerade abgebaut wird.

 Die Ergebnisse der Recherche gibt es
und 
zu hören. 
Die Recherchen wurde von der Robert Bosch Stiftung 
im Rahmen des Förderprogramms "Journalisten vor Ort" gefördert. 
Laura Döing (@LauraDoeing)

Mobil: +49 160 995 229 78

E-Mail: laura.doeing@dw.de

Mobil: +49 176 811 49 625
E-Mail: kapustina.doeing@gmail.com


Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:

Laura Döing (Anschrift wie oben)


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